Schwenkfahnen

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Zur Geschichte der Schwenkfahnen der Schützengesellschaft Attendorn

Die ältesten Erwähnungen über die Attendorner Schützenfahnen wurden im Rezessbuch der Schützengesellschaft am 15. April 1704 eingetragen. An diesem übergaben der König Johannes Dingerkus, der Althauptmann Eberhard Voß und der stellvertretende Hauptmann Jost Lehrs dem neuen Hauptmann Johannes Zeppenfeld und seinem Stellvertreter Christian Laymann vier Schützenfahnen. Außerdem werden in diesem Rezessbuch die ältesten Satzungen der Schützen aus dem Jahre 1703 überliefert. Hier ist zum Beispiel der Vermerk zu finden, dass der Fähnrich, wie dies von alterher gebräuchlich, während der alljährlichen Übergabe des Inventars einen Reichstaler bekommen sollte. Wenn man die Formulierung "von altersher" mit mindestens zwei Generationen gleichsetzt, wird es bereits um 1650, also unmittelbar nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, Schützenfahnen in Attendorn gegeben haben.

1716 beschloss die Bruderschaft der jungen Schützen, eine neue Fahne zu beschaffen. Diese zierlich undt fast kostbahre sogenante Schützenfahne wurde in Köln angefertigt. Jeder, der hierzu eine Spende von 1 ½ Reichstalern gegeben hatte (bei Witwern, Witwen und ledigen Personen 1 Rtl.), sollte bei dessen Beerdigung durch die Bruderschaft mit ihrer Fahne begleitet werden. Außerdem sollte alljährlich für die Spender der Fahne am Festtag der Hl. Mutter Anna eine Seelenmesse gelesen werden. Unterschrieben wurde das Dokument vom:
- Schützenkönig Otto Ermes,
- Oberscheffer [= Hauptmann] Kaspar Gutmann,
- Unterscheffer [= Stellvertretender Hauptmann] Johannes Flusche und
- Rechenmeister [= Kassierer] Johann Wilhelm Christiani.

Als die Freifrau Maria Theresia von Fürstenberg geborene von Westphalen am 29. Januar 1737 auf der Burg Schnellenberg starb, wurde sie einige später mit großem Prunk in der Fürstenberggruft der alten Frankziskanerkirche beigesetzt. So wurden die sterblichen Überreste zunächst durch Attendorner Bürger von der Hospitalkirche zur Pfarrkirche getragen, wobei die alten Schützen mit ihren Fahnen vorangingen, es folgten der Chor der Pfarrkirche, dann die Leiche, dann Freiherr von Fürstenberg mit seiner Familie, dann die Honoratioren der Stadt; den Schluss bildeten die jungen Schützen mit ihren Fahnen. Auch aus dieser Quelle ist erkennbar, dass beide Schützenkompanien 1737 bereits mehrere Fahnen hatten. Der Kontakt der Attendorner Schützen zur Familie des Freiherrn von Fürstenberg scheint in dieser Zeit gut gewesen zu sein, da die Jungschützen 1748 vom Freiherrn Christian Franz Dietrich von Fürstenberg sogar eine Spende von einem Taler erhielten, um ihre Fahne reparieren zu lassen.

Beim großen Stadtbrand vom 13. Juli 1783 wurde fast das gesamte Schützeninventar vernichtet, so auch die Schützenfahnen. Erst 1805 ließen die Schützen der Annabruderschaft [= 2. Zug] durch den Schneidermeister Stefan Müller für 70 Reichstaler eine neue Fahne nähen, die dann durch den Malermeister Schaffe aus Barmen bemalt wurde. Diese Fahne wurde am Festtag der Heiligen Mutter Anna übergeben; es wird berichtet, dass am Festhochamt 100 Schützen teilgenommen hätten. Im Anschluss an das Festhochamt habe man ein feierliches Gelage auf dem Stadthaus ausgerichtet.

Auch der 1. Zug ließ sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Schneidermeister Stefan Müller eine neue Fahne machen; der Auftrag hierzu wurde am 15. April 1829 vergeben. Gleichzeitig baten die Schützen den Maler Johann Bischoff, den Schützenpatron St. Sebastian auf die neue Fahne zu malen. Auf einem Foto von 1910 ist der Heiligen Sebastian so dargestellt, wie er sich auf dem Altarbild des Sebastiansaltares präsentiert. Schon Hermann Forck bemerkte in seiner Schützengeschichte von 1898, dass die Jahreszahl 1829 später einmal in 1629 geändert wurde. Tatsächlich kann man deutlich die unterschiedliche Schreibweise der einzelnen Ziffern ausmachen, außerdem ist das Stoffstück "16" später eingesetzt worden. Diese Fahne sollte 1844 erstmals im Schützenhochamt getragen werden, dies wurde allerdings vom damaligen Pfarrer Habbel abgelehnt.

Auch die Regierung in Berlin verbot am 15. Juni 1868 die kirchliche Weihe von Schützenfahnen.

Auch die Annafahne, möglicherweise wie zuvor erwähnt aus dem Jahre 1805 stammend, ist 1910 fotografiert worden. Auch sie wurde nach der Vorlage des Sebastiansaltares geschaffen und zeigt die Heilige Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria als Kind.

1913 kam es zur Anschaffung zweier neuer Fahnen. So heißt es im Protokoll der Vorstandssitzung: Vorstand ist einstimmig der Ansicht, daß die Fahne für den ersten Zug wie bisher das Bildnis des hl. Sebastian und die Fahne des zweiten Zuges das Bildnis der hl. Mutter Anna führen sollen. Als Vorlage für die Fahne des 1. Zuges soll das Gemälde in dem von der Schützengesellschaft im Jahre 1484 gestifteten Sebastianus-Altare der hiesigen Pfarrkirche dienen. Ferner sollen beide Fahnen gemeinschaftlich den preußischen Adler und das jetzige städtische Wappen haben. Die Bonner Fahnenfabrik Emil Müller in Godesberg und die Düsseldorfer Fahnenfabrik sollen um Vorlage genauer Zeichnungen und äußerster Preisangabe ersucht werden. Am 16. April erteilte dann der Schützenvorstand der Bonner Fahnenfabrik den Auftrag zur Lieferung der beiden Fahnen mit den Maßen 180 x 180 cm. Die Fahnenweihe erfolgt am Schützenfestsonntag, anschließend wurde der Trillertanz aufgeführt. Die Bonner Fahnenfabrik hatte zu diesem festlichen Anlass eigens eine Ansichtskarte drucken lassen, auf der die beiden Fahnen dargestellt waren.

Schützenhauptmann Hüttemann hatte sich zuvor von den alten Fahnen mit patriotischen Worten verabschiedet: Schützenbrüder! Wenn wir den im Laufe der Zeiten in Wind und Wetter zerrissenen Saum, die verblichenen Farben unserer alten, treuen Fahnen betrachten, wenn wir uns vorstellen, daß wir uns von ihnen, die unsere Väter und Vorväter Jahrhunderte hindurch auf ihren Zügen begleitet, unsere Feste verschönt haben, trennen müssen, dann beschleicht uns das Gefühl stiller Wehmut und Traurigkeit. Aber gerade die Anhänglichkeit, die Liebe gebietet uns die Trennung, denn bei weiterem Gebrauch würden unsere alten Wahrzeichen bald gänzlich der Vernichtung anheim fallen und damit würde ein Stück Heimatgeschichte der Mit- und Nachwelt verloren gehen....

1928 beschloss der Schützenvorstand, die alten historischen Schützenfahnen nur noch zu besonderen Anlässen mitzuführen. 1935 wurden sowohl die historischen Fahnen wie auch die Fahnen von 1913 zum 525jährigen Bestehen restauriert.

Den Zweiten Weltkrieg überlebten nur die historische Sebastiansfahne und die Annafahne von 1913.

1951 ließ die Königskompanie zwei neue Schwenkfahnen fertigen, die unter Verwendung der bisherigen Fahnenmotive St. Sebastian und Hl. Mutter Anna in der Bonner Fahnenfabrik hergestellt wurden. Fast 1.000,00 DM hatten die ehemaligen Könige gespendet, um die Kosten für die Anschaffung zu decken. In einer würdigen Feierstunde auf dem Marktplatz wurden sie nach der kirchlichen Weihe in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste überreicht. Krönung der Übergabe war die Aufführung des Trillertanzes.

Zum 550jährigen Bestehen der Schützengesellschaft im Jahre 1960 wurden dann bei der Bonner Fahnenfabrik zwei weitere Schwenkfahnen in Auftrag gegeben, die die Motive des Kaiseradlers und der Schwedentafel zierten.

In Vergessenheit geraten ist schon fast die Fahne der Jungschützen, die 1966 angeschafft wurde und heute im Bieketurm aufbewahrt wird. Sie zeigt das Stadtwappen Attendorns vor der kommunalen Neugliederung vor zwei gekreuzten Hellebarden. Das Stadtwappen wird beidseitig von zwei Iserköppen flankiert und von Eichenlaub umrankt.

Die Schützenkönige Viktor Linne und Heinz Reuber stifteten anlässlich ihres Königsjahres 1990 der Schützengesellschaft eine neue Sebastians- und Annafahne, da die Vorgängerinnen von 1951 durch starke Inanspruchnahme ziemlich gelitten hatten.

1994 schließlich schenkte die Königskompagnie eine fünfte Schwenkfahne mit der Darstellung des Bieketurmes. Sie erinnert an den Umbau des Bieketurms zum Zeughaus und Museum der Schützengesellschaft und die amtliche Rückverlegung des Gründungsdatums von 1410 in das Jahr 1222.
(Otto Höffer)