Confraternität St. Sebastian

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Aus der Geschichte der Confraternität St. Sebastian von 1484


Text: Stadtarchivar Otto Höffer

Am 5. November 1484 bestätigte Erzbischof Hermann IV. von Köln die Stiftung einer Vikarie zu Ehren der sebastiansaltarHeiligen Sebastian, Antonius, Wolfgang, Mutter Anna und Elisabeth. Mit dieser Stiftung durch die Attendorner Schützen, die äußerlich durch die Errichtung eines Altars in der Pfarrkirche und die Einsetzung eines Vikares sichtbar wurde, wird erstmals von den 12 Prinzipalen - dal twelw vornehmere - gesprochen, der späteren Sebastianskonfraternität.
Diese Bruderschaft, die sich ursprünglich aus ehemaligen Hauptleuten der Schützengesellschaft zusammensetzte, wachte über das Vermögen der Vikarie, das vornehmlich aus Grundbesitz bestand. Zudem übte sie das Recht aus, die Vikarsstelle jeweils neu zu besetzen.
Leider gingen durch Stadtbrände und Kriege viele der mittelalterlichen Unterlagen verloren.
Zu den besonderen Sponsoren der Vikarie zählte im 17. Jahrhundert Elisabeth von Fürstenberg. Sie vermachte der Vikarie am 13. Juli 1669 ihr Haus mit dem Baumhof Im Schüldernhof und 600 Reichstaler. vikarieDieses Haus wurde bei den Stadtbränden von 1742 und 1783 stark beschädigt und jedes Mal neu wieder aufgebaut 1799 ging das Haus in den Besitz der Stadt Attendorn über. Gleichzeitig wurde die Vikarie aufgelöst und mit der Vikarie St. Jakobus und Andreas vereinigt, "da es seit 1783 zwischen den alten und jungen Schützen einerseits und der Konfraternität andererseits etliche Unzuträglichkeiten gegeben hatte."
1635 wurde eine neue Satzung verabschiedet, die bis 1983 gültig war. In dieser Satzung sah die Bruderschaft ihre Aufgabe darin, „sowohl das Schützenwesen hier möglich in althergebrachter Art fortbestehend zu erhalten, zu wirken, dass es sich vervollkommne, um dadurch unter den Bürgern Gemeinsinn zu wecken, brüderliche Eintracht zu bewirken, als auch die 5chützen-Vicarie Sanctorum Sebastianum Jacobi et Andreae, worüber den Prinzipalen das Präsentationsrecht zusteht, zu erhalten nach ihrer Stiftung, und zu sorgen, dass dessen Vermögen auch nicht abnimmt, sondern zunimmt".
Dieses Aufgabenprofil wurde einige Jahre später durch die Folgen der Revolution von 1848 hart auf die Probe gestellt, als es darum ging, die Einrichtung einer dritten Kompanie zu verhindern. Noch wichtiger war das Einschreiten der Konfraternität im Jahre 1851, als Kirchengegner einen jüdischen Mitbürger als Iserkopp in der Fronleichnamsprozession mitgehen ließen. Als Konsequenz verbot die bischöfliche Behörde in Paderborn daraufhin für die Dauer von 75 Jahren die Teilnahme des Schützenvorstandes an der Prozession. Obwohl sich die Konfraternität in einem zwölfjährigen Schriftwechsel mit dem Generalvikariat immer wieder dafür einsetzte, das Verbot rückgängig zu machen, blieb die Entscheidung endgültig und die Schützen nahmen erstmals 1923 wieder „in voller Parade" an der Fronleichnamsprozession teil. In diesem Zusammenhang schafften die Schützen als Trotzreaktfon das traditionelle Schützenhochamt ab.
Als Otto Lex 1896 Schützenvikar wurde, kam der allgemeine Wunsch nach einer Wiederbelebung des althergebrachten kirchlichen Brauchtums wieder auf. Nach 45jähriger Pause wurde im gleichen Jahr am Sebastiansaltar erstmals wieder das Schützenhochamt gefeiert
Während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ging der damit verbundene ideologische Wahn auch an Attendom nicht vorüber. Provisor Josef Hüttemann hatte sich am 18.01.1939 erlaubt in der heimischen Presse einen Artikel zum Patronatsfest der Sebastianer zu veröffensebastian_holztlichen. Dieser Artikel hatte ungeahnte Konsequenzen: So war es der NSDAP ein Dorn im Auge, dass Schützen zum Gottesdienstbesuch gehen wollten. Gau- und Parteileitung forderten den Rücktritt des Gesamtvorstandes der Schützengesellschaft. Erst nach zahlreichen Beteuerungen Hüttemanns und dem Hinwels, dass er allein für den Artikel verantwortlich zeichne, kam es zur Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung, in der der Ortsgruppenleiter die Wiederwahl des gesamten Vorstandes vorschlug. Hüttemann vermerkte hierzu 1946 im Protokollbuch: "Damit hatte das von der Parteileitung aufgeführte Theater ein Ende gefunden. Die Logik ihres Verhaltens muß man bewundern."
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Konfraternität am 17. Januar 1946 erstmals wieder zusammen.Durch die Überarbeitung des Kirchenrechts im 20. Jahrhundert wandelten sich auch die Rechte der Sebastianskonfraternität. So war die Einsetzung eines Titularvikars nicht mehr Sache der Bruderschaft, sondern die der kirchlichen Behörde. Gleichwohl wählen die Sebastianer heute den Schützenvikar als ihren geistlichen Beirat der alljährlich am Sebastianstag das Hochamt für die Lebenden und Verstorbenen der Konfraternität feiert. Zur Zeit bekleidet dieses Amt Domkapitular und geistl. Beirat Josef Vorderwülbeke.

Mit ihm zählen zu den Mitgliedern der Konfraternität die 12 Prinzipale Klaus-Walter Hoberg, Karl-Otto Frey, Heinz Halberstadt,  Werner Bischoff, Franz-Josef Karthaus, Johannes Höffer, Theo Koslowski, Karl-Heinz Beul, Johannes Viegener, Günter Funke, Rudolf Pompe, Walter Viegener, sowie die Confrater Claus Ortmann, Michael Frey, Markus Harnischmacher, Rolf Faßbender, Toni Vogt, Heiner Albus, Harald Kröning, Franz-Josef Decker, Dr. Robert Nöbel, Heinz Reuber, Sascha Koch, Christoph Pingel. Erster Provisor ist Werner Bischoff.

 

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